#75 | Herz, Basel, Switzerland
Last Visit: Spring 2026
Für eine Stadt ihrer Größe hat Basel eine ganz eigene Geschichte und eine beachtliche Reihe von Bars, Restaurants und Cafés zu bieten, die es zu entdecken gilt und die auch über die deutschsprachigen Länder hinaus Beachtung verdienen. Zürich war bereits Thema in Robins Reiseberichten und den dazugehörigen Artikeln, die ich wärmstens empfehle; daher möchte ich nun einen Blick auf das „Rheinland“ der Schweiz werfen. Schließlich fließt der Fluss, der Köln und Düsseldorf und damit einige unserer Lieblingsorte verbindet, auch durch Basel.
„Herz“, ein ebenso schöner wie treffender Name, der meiner Meinung nach die Bedeutung dieser Bar für die Stadt auf den Punkt bringt. Hier werden die spannendsten Experimente mit Spirituosen gewagt, sie wird von allen anderen Orten, die ich besucht habe, ausnahmslos empfohlen, und sie strahlt eine Authentizität aus, die manche der „glamouröseren“ Locations vielleicht vermissen lassen.
Copyright: Herz
Herz ist keineswegs ein Geheimtipp. Es wurde sowohl von „World’s 50“ (Discovery) als auch vom Mixology-Magazin ausgezeichnet – und das in einer Stadt mit nur etwa 180.000 Einwohnern. Nachdem die Gründer vom Herz im Rahmen des „Werk8“ (das unter anderer Leitung noch immer besteht) Pionierarbeit geleistet und die Cocktailkultur in Basel modernisiert hatten, wurde Herz im Jahr 2022 direkt neben der bestehenden „Stadtbrennerei“ eröffnet, einem lokalen Hersteller für Spirituosen aller Art. Wenn man an der Bar sitzt, kann man sogar durch den Innenhof auf die Destilliermaschinerie blicken.
Dies verankert die gesamte Bar nicht nur in lokalen Zutaten und Marken, sondern hebt sie auch in Bezug auf die Kreativität bei der Herstellung hausgemachter Spirituosen von den mittlerweile allgegenwärtigen Rotovap-Bars ab. In einigen Artikeln wird darauf hingewiesen, dass die Zutaten nicht nur lokal sind, sondern in manchen Fällen auch in der Natur gesammelt, neudeutsch “foraged”, werden – und obwohl ich das auf der Karte nicht direkt gesehen habe, kann ich es durchaus glauben. Das Menü selbst verschnörkelt nichts, was einfach gehalten werden kann: Aperitivo für die wärmeren Monate – besonders wichtig in einer Stadt, in der Wein historisch gesehen schon immer eine bedeutende Rolle gespielt hat. Die Auswahl ist groß, und selbst bekannte Standard-Drinks haben eine einzigartige lokale Note. Seit meinem Besuch scheint die Karte noch weiter ausgebaut worden zu sein und umfasst nun etwa 25 Cocktails sowie weitere 4 hauseigene alkoholfreie Signatures. Eine Vielfalt, die man in den meisten modernen Bar-Konzepten nicht findet. Die kulinarischen Akzente und ausgefalleneren Noten sind subtil, sodass auch Cocktail-Neulinge etwas für sich finden können – der exzellente, entspannte Service tut sein Übriges. Ich habe das Essen nicht probiert, aber es gibt eine Auswahl, die über das übliche Popcorn und Chips hinausgeht.
Briny Drip
| Stadtbrennerei Weizenbrand
| Sauerkraut Cordial
| Dry Vermouth
| Calvados
| Laurel Cordial
| Mustard Caviar
Bei einer solchen Zutatenliste – wie könnte ich da widerstehen? Ein Drink wie Wasser direkt aus dem Rhein (wo gerade ein imaginäres französisches Boot gesunken ist). Ultrafrisch und spritzig, mit interessanten Umami-Noten, aber nicht herzhaft – auf eine Art, die wirklich an die französische Seite der Region Basel erinnert. Kräftig und ambitioniert, mit genau der richtigen Menge an Garnitur. Sobald der Drink etwas Wärme bekommt, wird er ein wenig zu süß, aber wäre ich länger geblieben, hätten sie mir mein Glas ohne Weiteres gegen ein neues, kaltes ausgetauscht.
PB&J
| Peanut Butter distillate
| Rasberry spirit
| Lime Cordial
| Salt
Die Beschreibung kann irreführend sein – das hier ist ein kräftiger Cocktail, klar und direkt. Er wurde als einer der spirituosenbetonten und intensivsten empfohlen. Das entspricht dem Konzept der von Empirical Spirits par excellence: sehr anspruchsvoll und molekular, ohne dass tatsächlich Empirical Spirits im Drink wäre. Noten von trockenen Nüssen und getrockneten Himbeeren; der kleine Schuss Limette dient lediglich dazu, die Aromen hervorzuheben – alles serviert mit kristallklarem, hochwertigem Eis. Ich habe auf jeden Fall großen Respekt vor dem Mut, einen Drink mit dieser Intensität im Frühjahr zu bringen.
Die Bar selbst befindet sich auf der anderen Seite des Rheins, also nicht in der traditionellen „Altstadt“. Die meisten Bars in Basel liegen räumlich sehr nah beieinander, was sich auch in ihrem Gemeinschaftsgefühl widerspiegelt. Es gibt sogar einen „Basel Bar Guide“, in dem jeder Bar ganze Seiten gewidmet sind und Signatures vorgestellt werden – alles wunderschön gestaltet. Es gibt Hauptstädte, die dreimal so groß sind und ihre Barkultur nicht annähernd so ernst nehmen. Das „Herz“ ist ein absolutes Muss: tolle Beleuchtung, geschmackvolle japanische Kunst, eine elegante Backbar, die nicht viele Flaschen benötigt (warum auch, schließlich wird das meiste in der Brennerei auf der anderen Seite des Gebäudes produziert), und ein unkomplizierter Service, der sowohl das junge Publikum aus der Gegend als auch die vorbeiziehenden Pharma-Manager willkommen heißt.
Cheers,
/jf
Excerpts from the current menu (click for original size):

